Frontcover - Traeumende Systeme | Uli Reiter

Träumende Systeme

© Velbrück Wissenschaft
Erscheinungsdatum: 06.01.2020
280 Seiten
22.2 cm x 14 cm
ISBN 9783958321793
Preis: 34,90 

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>> Rezension von Peter Bormann

Die Antworten auf Fragen nach der Bedeutung und Funktion von Träumen fallen, quer durch die Geschichte, sehr unterschiedlich und auch widersprüchlich aus.

Eine Traumtheorie der Systemtheorie

Mit systemtheoretischen Mitteln wird in der vorliegenden Traumtheorie der Versuch unternommen, die Bezugsprobleme des Traumes neu zu fassen und ihn als Lösung dieser Probleme zu erschließen. Der Traum wird dabei als ein dritter Existenzmodus neben Wachsein und Schlafen konzipiert. Er lässt sich evolutionär als eine Reaktion auf die katastrophischen Probleme deuten, die sich durch die Ausdifferenzierung von Wach- und Schlafmodus ergeben.

Träumen – ein Multisystemereignis

Das Ereignis des Träumens wird als ein Multisystemereignis verstanden, an dem vier Systemtypen beteiligt sind: das biologische, das neuronale und das psychische System einerseits und soziale Systeme andererseits. Traum bezeichnet dann die Änderungen, die sich ergeben, wenn diese Systeme in den Modus des Träumens bzw. der Traumbeobachtung wechseln. Das umfasst zum einen Änderungen der Operations- und Beobachtungsweise der beteiligten Systeme und zum anderen Änderungen der Art und Weise, wie sie miteinander gekoppelt sind.

Katastrophen des Schlafes

Als Initialpunkte des Träumens werden die von Uli Reiter so benannten »vier Katastrophen des Schlafes« erschlossen: die Katastrophen der Kopplung, der Referenz, der Konsistenz und des Selbst. Sie werden als Auslöser der funktionalen Bezugsprobleme erschlossen, für die dann der Traum als Lösung verstanden werden kann.

Eingebunden in historische Analysen werden jedem der beteiligten vier Systeme und deren Kopplungen eigene Traumfunktionen zugeschrieben, die nicht nur das Träumen und den Traum in einem ungewohnten Licht erscheinen lassen, sondern auch neue Deutungsmöglichkeiten eröffnen.

Wilde Kontingenz

Der Traum wird zum Lieferanten ›wilder‹ und unverpflichteter Kontingenz, die sowohl psychisch als auch sozial als frei flottierende Kontingenz genutzt oder in gebundene und funktional verpflichtete Kontingenz transformiert werden kann.