meins | deins | keins 

Eine Ausstellung von Doris Henle, John Schmitz und Uli Reiter
i
n der BBK-Galerie Würzburg vom 15. Februar bis 08. März 2020

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Im Fokus der Ausstellung steht das Sich-aufeinander-Beziehen der drei beteiligten künstlerischen Positionen. Diese Bezugnahme erfolgt nicht durch intervenierende oder imitierende Verfahren, vielmehr wurde dafür ein Medium ausgewählt, das eine zusätzliche Gestaltungs- und Beobachtungsebene ins Spiel bringt. Dieses verbindende Medium der künstlerischen Kommunikation von „meins | deins | keins“ ist der Hexadezimalcode. Er stammt aus dem Bereich der Digitalisierung und wird dort zur rechnerexternen Darstellung von Informationen, wie z.B. zur Farbdarstellung im Internet genutzt. Es handelt sich also um eine eigene, digitale Maschinensprache, die nicht konventionell gelesen werden kann und sich genau deshalb für das Anliegen von „meins | deins | keins“ eignet.

Das Projekt thematisiert und befragt den künstlerischen Zusammenhang von Aneignung und Identitätsbildung und untersucht, was geschieht, wenn es zu medialen Verschränkungen des eigenen (meins) mit dem jeweils anderen (deins) kommt – bis hin zu Konstellationen, denen keine eindeutige Autorenschaft (keins) mehr zuzuschreiben ist. Die für dieses Projekt entwickelten Arbeiten von Doris Henle, John Schmitz und Uli Reiter sind sich darin gleich, dass sie den Hexadezimalcode als künstlerisches Medium nutzen – und sie unterscheiden sich darin, dass die Nutzung auf jeweils andere Form geschieht.

Doris Henle erzeugt mit auf Papier ausgedruckten Code-Bruchstücken räumliche Unterlegungen und Einlagerungen. Diese werden jedoch nur an einzelnen Stellen sichtbar, an denen sich die Oberflächen ihrer fetischartigen Objekte öffnen und die darunter liegenden Codierungen dem Blick preisgeben. Ein Spiel mit Oberfläche und Tiefe, das auf die spirituellen Aspekte ihrer Arbeit verweist: Die Transzendenz der medialen Codierungen wird nur an immanenten Formen wahrnehmbar.

Ausgangspunkt für die Installation von John Schmitz war eine chronologisch-dokumentarische Reihung einer immer gleichen Chiffre mit Feder und Tusche auf Papier. Nach ihrer Digitalisierung wurde die Arbeit transformiert, um sie in der Sprache des Hexadezimalcodes erneut analog zu manifestieren. Dadurch wird die ursprüngliche Notierung ihrer Präsenz neu konstituiert und für den Rezipienten unlesbar. Mittels zusätzlicher Verhängung der Nummern-Buchstaben Struktur mit transparentem Rastergewebe verändert sich, je nach Standpunkt, das Wahrgenommene und kann nicht mehr in Kategorien wie deins, meins oder keins eingeteilt werden.

Uli Reiters „Digitaler Latz“ führt hexadezimal codierte, digitale und wieder ausgedruckte analoge Motive der drei Beteiligten als Digitalisierungs-Reste ineinander über. Die analogen Abbildungen können betrachtet und in diesem Sinne gelesen und verstanden werden. Ihre digitalen Umsetzungen können zwar betrachtet und gelesen, aber nicht verstanden werden: Was bleibt, sind Zahlenkolonnen, die keinerlei Bezug zu ihrer Herkunft, zu den Produzenten der zu Grunde liegenden analogen Werke und zu den damit verknüpften Besitzverhältnissen mehr ermöglichen. 

Doris Henle lebt und arbeitet in Eichstätt (Bayern) und Lissabon (Portugal). Sie studierte Bildende Kunst an der Faberakademie Nürnberg mit Abschluss der Meisterklasse und ist Mitglied im BBK Oberbayern Nord/Ingolstadt und den Kunstvereinen Traunstein und Neuburg. Ihre Arbeiten sind von Kunst, Musik, Literatur und Spiritualität beeinflusst und thematisieren Wandlung, Entwicklung, Übergang und Transzendenz: ein Spiel von Oberfläche und Tiefe – realisiert mit ungewöhnlichen Materialien.
Homepage: www.dorishenle.de

Uli Reiter, geb. 1954, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler, soziologischer Autor und Grafikdesigner in Lienzing bei Gstadt am Chiemsee. Sein aktueller künstlerischer und wissenschaftlicher Themenschwerpunkt ist die Frage, ob eine Gesellschaft ohne Eigentum vorstellbar und wünschenswert ist. Uli Reiter ist Mitglied und Beirat im Kunstverein Traunstein.
Homepage: www.uli-reiter.de

John Schmitz, geb. 1969 und englisch/deutsch aufgewachsen, lebt und arbeitet als freischaffender Künstler und selbstständiger Ofenbauer in Peterskirchen (Bayern).

In seiner künstlerischen, konzeptionell ausgerichteten Arbeit bearbeitet er existenzielle philosophische Themen wie Sein und Zeit. Schmitz ist Mitglied des Kunstvereins Traunstein und der DG (Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst).
Homepage: www.john-schmitz.com

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Artikel in der Mainpost am 17.02.2020